Alte Handwerkstradition

Die Arnulfsbäckerei in Regensburg

 

Seit ein paar Jahren versperren neumodische Stadtbus-Haltestellen die direkte Sicht auf den kleinen Laden, der ein paar Schritte nördlich vom weltberühmten Wirtshaus Kneitinger am Arnulfsplatz in Regensburg liegt. Trotzdem weiß die Kundschaft schon lange zu schätzen, dass hier alteingesessenes Handwerk zuhause ist. Der Arnulfsbäcker, seit 1919 in Besitz der Familie Allkofer, gehört heute zu den letzten vier echten Bäckereien in der Weltkulturerbe-Stadt.

Bäcker- und Konditormeister Johann Allkofer übernahm 2004 den Betrieb von seinem Vater, der seit seiner Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft Mitte der 1950er Jahre im Geschäft das Sagen hatte. Die drei Söhne mussten von Anfang an viel mithelfen. Johann hatte sich nach dem Abitur auch für ein Maschinenbau-Studium interessiert, entschied sich dann aber doch für die Bäckerlehre im elterlichen Betrieb. Die Liebe zur Technik brachte ihn dazu, dass er die Reparaturen an seinen Maschinen jetzt selbst ausführen kann und viel Geld dabei spart. In seiner Backstube sind vier Mitarbeiter beschäftigt. Heutzutage sind Lehrlinge in diesem Handwerk aufgrund der Sechs-Tage-Woche und dem frühen Arbeitsbeginn kaum mehr zu bekommen. Allkofers Mutter Ingeborg hilft im Verkauf noch mit, seine Frau managt die Büroarbeiten. In Stresszeiten, zum Beispiel im Fasching, Weihnachten oder in der Urlaubszeit, kann er auf die Unterstützung seiner zwei Brüder und vieler Bekannter zählen.

Der Familienbetrieb muss ein besonderes Angebot haben, um neben den Großbäckereien zu überleben. In der Arnulfsbäckerei kommen keine fertigen Teiglinge aus der Tiefkühltruhe in den Backofen. Hier werden Brot und Semmeln noch in Handarbeit produziert. In dem kleinen Verkaufsraum stapeln sich die begehrten Brezen, das Dinkelbrot, die frischen Krapfen, Apfelküchel und Auszog´nen, alles in reinem Butterschmalz gebacken. Das Osterbrot nach einem Rezept, das noch vom Opa stammt, ebenso die Lebkuchen und Stollen zur Weihnachtszeit werden nur aus hochwertigen Zutaten hergestellt. Allkofer bezieht möglichst alles aus der Region. Dreiviertel seiner Käufer sind Stammkunden. Sie legen Wert auf ein traditionelles Sortiment. Aber der Arnulfsbäcker geht auch mit der Zeit. Für die Schulkinder, die vor der Tür auf ihren Bus warten, hat er Donuts und Muffins im Schaufenster. Sein Betrieb ist für Kindergärten und Grundschulklassen ein beliebtes Ausflugsziel, denn in seiner alten Backstube kann man noch anschaulich die Geheimnisse der Backkunst erforschen.

Das Sortiment der Arnulfsbäckerei wird auch von den Regensburger Traditionsgaststätten Kneitinger, Hofbräuhaus am Rathaus und Bischofshof am Dom, sowie der Kantine eines großen Energiekonzerns bezogen. Und selbst Papst Benedikt XVI. weiß diese Semmeln und Brezen zu schätzen. Als er im September 2006 in Regensburg weilte, durfte ihn die Arnulfsbäckerei beliefern. Die Backwaren schmeckten den geistlichen Herren so gut, dass vor der Abreise noch eine Auswahl bestellt wurde, um sie nach Rom mitzunehmen.

 

Chr. Riedl-Valder